Ein Wiedertreffen mit Werner Obalski

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Der Münchner Journalist ist bekannter Spirituosen- und Bierexperte und gilt in Deutschland als DIE Kapazität in Sachen Whiskey. Er schreibt nicht nur die klügsten Dinge über edle Spirituosen und Gerstensaft, sondern betreut  im wahrsten Sinne des Wortes “hochgeistige” Whiskeyreisen. Seine Artikel erscheinen außer in Kunden- und Fachzeitschriften auch in zahlreichen Magazinen und Tageszeitungen. Auch wenn er sich mit einer Vielzahl von Alkoholika beschäftigt, so gilt seine besondere Liebe in erster Linie dem schottischen Whisky, welchen er auf unzähligen Reisen in dessen Heimat kennengelernt hat. Er hat schon zahlreiche Fachbücher für die Gastronomie geschrieben.

 

Ein sehr interesannter Artikel aus dem Focus, sind z.b. auch die Zehn Mythen über Whisk(e)y.

Hier MYTHOS  Nr. 1

Schwarzbrennen begann in den USA mit der Prohibition

Wer eine Kupferblase zusammenlöten konnte, machte während der Prohibitionszeit (1919-1933) Schnaps. Doch um Whiskey tobt in den USA schon viel länger ein Kampf um Freiheit.

Die Geschichte der amerikanischen Prohibition ist eine Chronik der Umbrüche: Ohne sie hätte es niemals ein St. Valentine’s Massacre in Chicago gegeben. Niemals hätte ein Mafioso wie Al Capone den Staat in Bedrängnis gebracht. Außerdem verzichtete kaum ein Schluckspecht zwischen 1919 und 1933 auf Alkohol – es gab ja Schmuggler.

Doch nicht nur der Schmuggel aus Kanada blühte: Wo es irgend etwas gab, was vergoren werden konnte, wurde es in der Prohibitionszeit zu Schnaps gemacht. Gerade das Getreide verschaffte den „Moonshiners“ (die Whiskey heimlich bei Nacht, also bei Mondschein brannten) vor allem in der US-Kornkammer Tennessee eine wahre Blüte. Die Preise für sogenannten Mean Whiskey kletterten.

Erster US-Präsident brannte selber

Doch das verschwiegene Befeuern der „Pot Stills“, wie man die Kupferbrennblasen nannte, hat in Wahrheit eine viel längere Geschichte. 1791 wollte George Washington, erster US-Präsident (und wie so viele damals selbst Schnapsbrenner im Nebenerwerb), den bankrotten Staat nach dem Unabhängigkeitskrieg sanieren. Wie? Mit einer Whiskey-Steuer.

Es kam, wie es kommen musste: Die an Selbstbestimmung gewöhnten Siedler jagten die Yankee-Steuereintreiber – meist geteert und gefedert – aus den Städten des Südens. Tausende bewaffnete Getreidefarmer rotteten sich 1794 bei Pitts burgh zusammen. Die Staatsmacht ging mit 13.000 Soldaten in Pennsylvania gegen die Whiskey-Rebellen vor: 150 wurden verhaftet (und bald wieder laufen gelassen) – damit schien die Sache erledigt.

Doch an der Brennfreude änderte das wenig. Ab da brannte man eben heimlich. Um 1850 gab es in den Bundesstaaten Kentucky, Pennsylvania und Tennessee jeweils rund 2000 Brennanlagen. Und die Qualität ihres Whiskeys stieg dank modernerer Technik ständig. Angeblich begründete sogar der lange Transport in Eichenfässern über abgelegene Nebenstraßen die Tradition, Bourbon im Holz reifen zu lassen.

Dass der Staat, wenn er Geld brauchte, immer wieder die Steuer erhöhte, ließ die Popularität von Schwarzgebranntem zusätzlich steigen: Bis zu zehn Millionen Gallonen wurden in den USA allein 1896 nach einer Schätzung der Regierung illegal hergestellt.

Bis ins 20. Jahrhundert kam es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Brennern und Gesetz, bei denen 21 US-Marshals getötet wurden. Und noch heute genießen die „Moonshiners“ im alten Süden eine romantische Bewunderung, wie sie in den Alpen nur Wilderern zuteil wird. Denn hier wie dort ging’s nicht um Geld – sondern um Freiheit.

 

von Klaus Mergel und Werner Obalski

 

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